Travello auf dem fvw Kongress
19. September 2008 von Ralf
Zwei lange und sehr ereignisreiche Tage liegen hinter uns. Zuerst gabs den fvw Kongress und die TravelExpo in Köln, bei dem sich das “Who is Who” der Tourismusindustrie trifft. Hier wurden wir von Klaus Hildebrandt, dem Chefredakteur der fvw, zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Communities eingeladen. Zuerst hat Marc Charron von Tripadvisor den internationalen Markt beleuchtet und einen kleinen Einblick in die Entwicklung ihrer eigenen Reise-Community gegeben. Danach wurde in einer Runde mit Andreas Heimann von Derpart, Nicolas Götz von Nix-wie-weg.de und mir der deutsche Reise-Community-Markt diskutiert.
Auch in der Runde gab es wieder einige kritische Stimmen zum Thema. Erst letztens wurde in einem fvw-Bericht über Reise-Communities aufgedeckt, dass es neue Teilnehmer im Markt gibt, die die verschlafenen Community-Jahre aufholen wollen, indem sie bezahlte Praktikanten am Fließband schreiben lassen bzw. sogar aus Reiseführern abschreiben lassen, wie auf dem Podium jemand andeutete – ich weiß nicht mehr genau, wer. Interessant ist hierbei auch, die erfolgreichsten Communities oder Bewertungsportale (z.B. Tripadvisor oder Holidaycheck) sind alle schon über Jahre aktiv.
Insgesamt haben wir viele Parallelen zwischen Travello und Tripadvisor erkannt. Unsere Philosophie beim Betreiben einer Community ist sehr ähnlich. Erstaunlich viele Dinge hat Marc Charron genauso gesagt, wie wir das oft intern diskutieren. Er hat unter anderem herausgestellt, wie wichtig es ist, dass die Inhalte einmalig (unique Content) und authentisch sind. Er meinte ebenfalls (wie wir das auch glauben), dass es nicht zum Erfolg führt, wenn man die User bezahlt oder Inhalte einkauft. Ebenfalls denken wir, dass es keinen Sinn macht, seine Fotogalerie mit 10.000 von Fotos aus Hotel-Datenbanken aufzublähen, um die eigenen Zahlen nach oben zu bringen – es macht Sinn, echte Fotos von echten Usern zu bekommen, die diese einfach gerne hochladen. Auch das Einbinden von Inhalten aus Flickr, Youtube oder Wikipedia schafft natürlich keinen unique content, da die an echten Informationen interessierten Reisenden diese Inhalte an jeder Ecke finden oder gleich die Quelle besuchen.
Interessanterweise hat Marc auch die Foren als Erfolgsbeispiel herangezogen und machte deutlich, wie wichtig die Forenkommunikation bei Tripadvisor ist. Das haben wir auch so festgestellt und mit dem Launch Ende 2007 den Foren einen wichtigen Stellenwert bei Travello eingeräumt. Auch Amazon hat mittlerweile Produktforen (und zwar zu jedem einzelnen Produkt). Genauso verfolgen wir das bei Travello – es gibt zu jedem Ort, zu jeder Insel, zu jedem Land ein eigenes Forum.
In einer der vorherigen Diskussionsrunden über die Perspektiven im Internetvertrieb war auch Thomas Wagner, der Gründer von Unister, anwesend – er ist ein interessantes Beispiel dafür, wie weit man aus dem Stand heraus ohne großes Kapital kommen kann. Er berichtete, dass er von Beginn an schwarze Zahlen schrieb. Mittlerweile ist er nicht nur einer der größten Online-Veranstalter, sondern (wie wir am nächsten Tag auf der OMD festgestellt haben) auch einer der größten Online-Vermarkter! Mit Ab-in-den-Urlaub ist er inzwischen ein Stammwerbekunde bei Travello.
In dieser Diskussionsrunde vorher wurde gesagt, dass es eigentlich leicht sei, in den Reise-Community-Markt einzusteigen, dann aber oft der lange Atem fehle. Ich finde eher, es ist sehr schwer, neu in den Markt einzusteigen, denn es braucht eine gewisse Masse an Usern, bevor eine Community rund läuft. Auch hier hilft der gekaufte Inhalt oder der gekaufte User nicht viel, denn wenn die Bezahlung ausläuft, bleiben nur tote Profile zurück.
Mein Fazit ist, das man mit Geld zwar erst einmal User und Inhalte einkaufen kann – es bringt aber keine lauffähige Webseite und Community hervor. Und ein Geschäftsmodell kann das natürlich auch nicht sein. Zusammenfassend würde ich sagen: Das wichtigste sind echte, authentische User, die aus einem persönlichen Bedürfnis heraus ihre Erfahrungen weitergeben. Und es muss eine gewisse Masse an Usern geben, sonst ist die Community tot und bleibt es auch.


[...] Kölner Dom unsanft geweckt hat (Hotel lag praktisch in Sichtweite) ging es am nächsten Tag von Köln nach Düsseldorf weiter zur OMD – der Leitmesse für die Online Marketing Branche. Hier haben wir [...]
Grundsätzlich ist es ja mal nicht verwerflich als Community eigenen Content zu produzieren – der Spaß hört beim Copyright (tut er das?) und bei einem gewissen Verhältnis UGC zu Eigenproduktion evtl. auf. Obwohl? Der Begriff der kritischen Masse an Usern in einer Community untermauert diese Vorgehensweise sogar. Und es ist in Amerika gar marktüblich. Dort ist man eben schon ein wenig weiter was das tiefere Verständnis im eBusiness angeht – es geht darum Stakeholder zu befriedigen – auch Investoren sind nun mal Stakeholder und wenn es Wege gibt einen RoI schneller zu erzeugen – why not? Solange dabei die eigens erstellten Beiträge – wie es in der angestichelten Community (denken wir an die gleiche?) der Fall ist – auch als solche gekennzeichnet sind, kein Problem.
Prinzipiell schade finde ich, dass auf dem Podium keine Namen genannt werden, wenn es Kritik gibt. So etwas ist neulich auch erst wieder auf unserem Blog passiert, Kritik, ohne Namensnennung. Für mich ist so etwas viel unbegreiflicher, widerläuft es doch dem Web2.0 Gedanken von Ehrlichkeit, Offenheit und co.
MfG Daniel
Es geht hier nicht darum, Negativbeispiele beim Namen zu nennen. Die Beispiele dienten allgemein dazu, klar zu machen, dass wir eine ähnliche Philosophie verfolgen wie z.B. auch Tripadvisor (dann nenne ich lieber die Positivbeispiele). Uns ist es wichtig, sich abzugrenzen, weil man sonst am Ende alle Reise-Communities in einen Topf wirft und es dann heißt, die arbeiten alle so.
Wir haben in den letzten Jahren einige sehr erfolgreiche Communities aufgebaut und dabei gelernt, was man tun und was man besser lassen sollte und auch wie das ganze finanziell tragfähig wird. Wie sagte Thomas Wagner auf dem Podium so schön (Zitat aus dem Gedächtnis): “Es ist relativ einfach, sich die Deutschland im Online-Reisevertrieb die Marktführerschaft zu erkaufen, wenn man über die finanziellen Mittel verfügt. Die Kunst ist es, daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell zu machen.” Diese Aussage kann man auch prima auf den Reise-Community Markt ummünzen.
Ich spreche hier also nur aus der eigenen, täglich erlebten Praxis, die du uns sicherlich nicht absprechen möchtest. Kann sein, dass die Theorie sich manchmal besser liest… ;-).